Eine Online-Ausstellung
mit Übungen zum Medium Fotografie

Diese virtuelle Ausstellung zeigt ausgewählte, freie fotografische Inszenierungen zu den Rechten von Menschen mit Behinderung sowie den Themen Verwundbarkeit und Solidarität, vor dem Hintergrund der Corona/Covid-19-Pandemie 2020.

Die Ausstellung wird sich jeden Mittwoch um neue relevante Fragestellungen erweitern und bald auf Arabisch, Farsi, Französisch und Hebräisch übersetzt.

Im generationsübergreifenden Kunstbildungsprogramm Ubuntus wird ein Raum für die gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst geschaffen, die dringende gesellschaftliche Fragen unserer Zeit in den Fokus stellt. Dieser Raum wird von den verschiedenen Lebensrealitäten der Teilnehmenden maßgeblich geprägt.

Worum geht es?

Ursprünglich beschäftigte sich das Projekt schwerpunktmäßig mit dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) und der fotografischen Inszenierung dieser. Vor dem Hintergrund der Corona/Covid-19-Pandemie sowie weiterer intensiver, realitätsverändernder Ereignisse (wie den rassistischen Morden in Hanau oder dem Mord an George Floyd und der Black Lives Matter Bewegung oder den Menschenrechtsverletzungen im Camp Moria, Lesbos) öffnete sich der Fokus des Projekts zusätzlich für die nun stark sichtbar gemachten Intersektionen verschiedener Diskriminierungsformen. Das Projekt blickte ähnlich wie ein Kaleidoskop auf die Entwicklung sozialer Ungleichheiten während einer globalen Pandemie: In einer Art Zeitzeug*innenschaft dokumentierten, teilten und verarbeiteten die Teilnehmenden ihre individuell unterschiedlichen Erfahrungswelten.

Dabei standen Fragestellungen zu Inklusion, Barrierefreiheit und ableistischer Diskriminierung sowie zu Rechten von Menschen mit Behinderung und deren Einhaltung weiterhin im Fokus.

Warum Artikel 11*?

In diesem Zusammenhang rückte Artikel 11 der UN-BRK in den Fokus der thematischen Auseinandersetzung: Das Recht auf Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Menschen mit Beeinträchtigung und/oder Behinderung insbesondere in Zeiten humanitärer Notlagen und Gefahrensituationen wird derzeit gesellschaftlich stark verhandelt. Außerdem verändern sich beispielsweise besonders die Lebensrealitäten von Menschen, die in Bezug auf Corona/Covid-19 besonders vulnerabel sind (sog. Riskogruppe) erheblich. Gleichzeitig wird die Intersektion von Flucht und Behinderung oft nicht bedacht und das Recht auf Schutz von Menschen mit Behinderung auf der Flucht oder mit Fluchterfahrung in vielen Vertragsstaaten nicht gewahrt. Die Corona/Covid-19 Pandemie kann durch ihr globales Ausmaß als humanitäre Notlage gewertet werden, fragt erneut nach den Rechten von Menschen mit Behinderung und zeigt bestehende Ungleichheiten auf.

Wer hat teilgenommen?

An diesem Projekt nahmen Menschen mit und ohne Behinderung oder Beeinträchtigung und/oder mit und ohne Flucht- und Traumaerfahrung teil. Die Teilnehmenden kamen jeweils in Kleingruppen zusammen. Diese Bildungspatenschaften bestanden aus:einer erwachsenen Person, die vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie besonders vulnerabel ist und/oder eine Beeinträchtigung oder Behinderung hat (sog. Ubuntus Friend),
einem Kind/einem*r Jugendlichen mit Flucht- und Traumaerfahrung und ggf. mit Behinderung oder Beeinträchtigung (sog. Ubuntus),
einem Kind/einem*r Jugendlichen ohne Fluchterfahrung - und ggf. mit Behinderung oder Beeinträchtigung (sog. Ubuntus).

Verlauf des Projekts

Das Projekt fand hauptsächlich in einem digitalen Projektraum statt: Wöchentlich gab es (fotografische) Aufgaben und Beispiel-Impulse gegenwartskünstlerischer Werke, in denen sich das Projektthema widerspiegelte. Die Teilnehmenden erhielten sowohl online als auch offline unterschiedliche Werkstoffe für die inhaltliche Bearbeitung der übergeordneten Thematik durch die Übung mit diesen Materialien.

Zum Ende des Projekts begaben sich die Teilnehmenden gemeinsam in die vertiefte Auseinandersetzung mit einem konkreten gegenwartskünstlerischen Werk, das sich mit inklusiven Fragen und den Rechten von Menschen mit Behinderung sowie mit den Themen Verwundbarkeit und Solidarität beschäftigte. Darauf aufbauend entwickelten die Teilnehmenden ihre eigenen Wünsche und Haltungen und setzen diese - fachlich begleitet - in einer fotografischen Inszenierung entsprechend ihrer gruppeninternen Aneignung des Themas selbstbestimmt um.

Abstand

Der Schwerpunkt Abstand thematisierte die Verflechtung von Schutz und Ausgrenzung.

Entsteht zwingend soziale Distanz, wenn wir körperlich Abstand halten müssen? Wessen Sozialleben leidet besonders? Wie schützt der Begriff “Risikogruppe” vulnerable Personen? Inwieweit entsteht durch diesen Schutzversuch Distanz?

Schutzhülle

Wie können wir unsere Körper schützen? Solange manche Körper besonders verletzlich gemacht werden, ist die Verhandlung dieser Fragestellung unumgänglich.

Solidarität bedeutet, einen bindenden sozialen Konsens darüber zu erlangen, wie unsere Körper und unsere Identitäten geschützt werden können.

Narbe

Das Verständnis über unsere eigene Verwundbarkeit öffnet uns für die Vulnerabilität anderer Menschen: Narben als Kennzeichen für vergangene Verletzung helfen uns, uns in anderen wiederzuerkennen.

In unserer Gesellschaft sind manche Menschen immer noch verwundbarer als andere. Die Notwendigkeit einer Konvention, die das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit von Menschen mit Behinderung schützen muss, zeigt das beispielshaft.

Was bedeutet es, wenn das Verständnis von Verletzbarkeit ungleich verteilt wird? Welche Relevanz hat dies vor dem Hintergrund einer Pandemie, deren Folgen und Ergebnisse nicht absehbar sind?

Atem / Luft

Atem als existenzieller Teil unserer menschlichen Verwundbarkeit wurde in den letzten Monaten unmittelbar, in manchen Momenten brutal und gleichzeitig still-trauernd verhandelt.

Während ein Diskurs darüber geführt wurde, ob manche Menschenleben anderen gegenüber höherwertiger sind, war die Auseinandersetzung mit dem Elementarsten, dem Atem, geradezu existenziell notwendig.

Nicht nur hier wird der Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Fragen zu Existenz und Diskriminierung sichtbar - der Satz “I can’t breathe!” hat zur gleichen Zeit ebenso die Welt verändert.

Isolation

Was siehst Du aus Deinem Fenster? Was verändert, trübt oder färbt Deine Sicht? - Die fotografische Auseinandersetzung mit dem Thema Isolation entstand unmittelbar in den ersten Wochen der Kontakt­beschränkungen aufgrund der Corona/Covid-19 Pandemie 2020.

Was macht Isolation mit uns? Welchen Zugang zu Internet, nachbars­chaftlichen Ressourcen zur gemeinschaftlichen Unterstützung oder Natur haben wir? Bleiben wir zu Hause, weil wir uns selbst schützen müssen und/oder weil wir andere schützen wollen?